Strange as knowledge

 „Wir dürfen das Weltall nicht einengen,

       um es den Grenzen unseres Vorstellungsvermögens anzupassen,

  wie der Mensch es bisher zu tun pflegte.

    Wir müssen vielmehr unser Wissen ausdehnen,

        sodass es das Bild des Weltalls zu fassen vermag.“

     – Sir Francis von Verulam Bacon

 

Wissen ist etwas Seltsames. Es findet den Weg in unseren Geist auf unterschiedlichste Weise. Ungewollt, weil wir müssen und uns niemand fragt. Freiwillig, um jemanden zu beeindrucken. Bewusst, indem wir uns austauschen oder unbewusst, während wir aufwachsen. Habt ihr euch schon jemals darüber Gedanken gemacht, woher euer Wissen gekommen ist? Nicht diese Art von Wissen, das von der Gesellschaft als „Allgemeinwissen“ verstanden wird. Ich meine das freiwillige, aus eigenständigem Interesse angeeignete Wissen? Ein Hobby, eine Leidenschaft? Das Wissen, das unser Herz und unseren Geist wie ein Treibstoff versorgt. Oder das Wissen, das man irgendwann aufgeschnappt hat, plötzlich wieder in den Vordergrund tritt und wir uns wundern, dass es überhaupt da ist.

Die erste und wesentliche Quelle von Wissen ist unsere DNA, sprich die Genetik. Sie bestimmt unsere Existenz, unsere Instinkte, unser Verhalten in lebensbedrohlichen Situationen oder übermitteln uns einfach die Information, dass wir uns entgegen der Gravitation aufrecht bewegen können. Es ist von Anbeginn dabei, darauf haben wir keinen Einfluss.

Unser erstes Wissen, auf das wir sehr wohl Einfluss haben, erlangen wir in unserer Kindheit durch erste Erfahrungen und einen wesentlichen Teil übernehmen unsere Familie, Freunde oder andere Bezugspersonen. Sie sind es, die ihr Wissen, ihre Erfahrungen oder ihre Leidenschaften an uns weitergeben, ehe wir differenzieren können, was wir wissen müssen, wissen können und vor allem wissen wollen. Mit anderen Worten: Wissen kann man sich in den ersten Jahren nicht immer aussuchen (auch wenn sich vieles davon später als doch sehr hilfreich entpuppt).

Die Interessen unserer Eltern übertragen sich oftmals auf ihre Kinder, ehe sich entscheidet, ob es sie prägt oder sich anderen Interessen entwickeln.

Ich habe versucht zu rekonstruieren, welches „unfreiwillige Wissen“ ich in meiner Kindheit vermittelt bekommen habe. Es war mein Vater, der mir als erster die Reihenfolge der (noch) neun Planeten in unserem Sonnensystem beibrachte. Er erzählte mir etwas über den ersten Durchbruch der Schallmauer, über die Geschichte der Luftfahrt und er brachte mir die ersten Filme von Stephen Spielberg näher.

Ein Teil seiner Leidenschaften wurde zu meinen. Ich habe aus dieser Zeit einiges und besonders wertvolles Wissen mitnehmen können, aber nicht alles hat mich geprägt. Ich erkenne nicht (wie er) am Motorgeräusch um welches Flugzeug es sich handelt, aber mein Herz schlägt jedes einzelne Mal höher, wenn ich von der Beschleunigung in den Sitz gedrückt werde und genieße besonders den Moment bevor der Flieger vom Boden abhebt. Denn wir haben mit Wissenschaft und Erfindergeist gelernt zu fliegen, obwohl der Mensch ohne Flügel geboren wurde. Es ist die Begeisterungsfähigkeit, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe – die Freude am Wissen und die Suche danach.

Es gibt doch eine Sache, die mich nie losgelassen hat: Die Faszination, das Fernweh und die Neugier, die ich empfinde, wenn ich meinen Blick nachts hoch zu den Sternen erhebe. Und die brachte mich hier her: In dieses Café.

Und ihr?

Milky Way Nasa

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