Dunkle Materie

Schweigen ist wie Dunkle Materie. Es umgibt uns in Dimensionen unvorstellbaren Ausmaßes, für uns jedoch nicht sichtbar. Zwischen Worten und dem Luftholen. Zwischen Punkt und Satzbeginn. In der Stille, wenn Mondlicht das Schlafzimmer erhellt. Im Wasser, wenn man untertaucht und der entweichenden Luft lauscht, die beim Ausatmen zur Oberfläche aufsteigt. Im Weltraum, wenn der Austronaut während seines Space Walks zur Erde blickt.

Das Schweigen ist eine universelle Sprache ohne Grammatik und Fall. So offensichtlich  einfach und dennoch vermag es komplexe Inhalte zu sprechen, die viele nicht verstehen. Es birgt das Ungesagte, das von Zeit zu Zeit bedrohlich im Hintergrund lauert. Trotzdem mögen Worte dominanter scheinen, selbst wenn sie nie allein erscheinen. Knapp fünf Prozent Worte, siebenundzwanzig Prozent Schweigen und achtundsechzig Prozent Ungesagtes. Kommunikation als Mikrokosmos.

Dein Schweigen kenne ich gut. Du liegst am Parkettboden einfach so da und spürst die Kälte unter den Zehen. Du hast schon immer gern am Boden gelegen. Es ist das Schweigen des Liegens – auf ein Minimum reduziert. Du schließt deine Augen und hörst die Musik, die auch bei geringen Dezibel laut in deinem Brustkorb hallt. Sie ist immer da, so wie du da bist und ihr gemeinsam das Schweigen am Boden genießt. Das Schweigen und das Sein. Es ist dein inneres Vakuum, in dem du schwebst…

Nie ganz klar, was an die Oberfläche gerät.

 

„Schweigen ist tief wie die Ewigkeit;
Rede so flach wie die Zeit.“

– Thomas Carlyle (schottischer Philosoph, Historiker, Essayist, Geschichtsschreiber und sozialpolitischer Schriftsteller)